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Ivana Jeissing: Felsenbrüter

Ivana Jeissnig: Felsenbrüter

Ivana Jeissnig: Felsenbrüter

Wer hat nicht schon einmal die Liebe gefunden und dachte, der Spruch „in guten wie in schlechten Zeiten bis das der Tod euch scheidet“ würde nun seine Wahrheit beweisen? Nur um nach einigen Jahren festzustellen, dass nicht der Tod, sondern der Alltag, ambitioniertes Karrieredenken oder eine wesentlich jüngere Frau gemeinsam mit einem weltlichen Scheidungsrichter die Trennung in die Wege leiten würden.

Martha hat Tom nach über 12 Jahren Ehe an seine Karriere und eine junge Erbin verloren und steht nun vor den Trümmern, die einmal ihr Leben waren. Sie trauert, hofft und wartet, und vor allem möchte sie einen Weg finden, dieses Drama hinter sich zu lassen, neue Kraft zu schöpfen und doch noch ihren Punkt, ihre Heimat zu finden. Was für sie gleichbedeutend ist mit einem Mann. Eine Reise mit ihrer eigenwilligen Tante Maud auf die Kanalinsel Sark scheint eine willkommene Abwechslung, und obwohl Tante Maud als studierte Physikerin weniger mit Romantik, dafür aber mehr mit wissenschaftlicher Welterklärung anzufangen weiß, entwickelt sie sich doch zu einer wertvollen Stütze für Martha, welche durch ihre Tante lernt, dass man das Leben auch anders leben kann. Nicht so verkrampft unkonventionell wie Marthas Hippie – Eltern, aber auch nicht so bemüht konventionell, wie Martha es lange Zeit versucht hat, um dem Erbe ihrer antiautoritären Eltern zu entfliehen. Dass sich im Laufe der Reise nicht nur Marthas Herz langsam wieder öffnet, sondern auch Maud mit ihren stolzen 70 Jahren noch einmal die Liebe findet, zeigt, dass „bis das der Tod euch scheidet“ ein dehnbarer Begriff ist und man den Fluss des Lebens nicht aufhalten kann und schon gar nicht soll. Schließlich möchte niemand zweimal im Leben die exakt gleiche Erfahrung machen.

Es gibt Bücher von denen man sich wünscht, sie würden nie enden, man möchte die Protagonisten weiter auf ihrem Weg begleiten, man ist neugierig, was noch passiert und genießt die Sprache und den Erzählstil. Ivana Jeissnig ist mit „Felsenbrüter“ so ein Werk gelungen, ihre feine Ironie macht das Buch trotz eines eher schweren Themas leicht und man gewinnt den Eindruck, dass auch Liebeskummer irgendwann wieder vorbei geht, und man dann nicht nur stärker, sondern auch klüger aus diesem Tal heraustritt. Ein Wissen, dass schon vielfach literarisch verarbeitet wurde, selten jedoch so gelungen wie in diesem Buch. Das leider auch irgendwann „vorbei geht“.
Das Buch bei Librido.at
Rezension von Yvonne Brandt

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