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2. Etappe: (Nord)Irland

Manche Bücher sollten auch in Apotheken und Drogerien erhältlich sein, im Regal gleich neben den Johanniskrautkapseln und anderen Stimmungsaufhellern. Zu diesen Büchern gehört auch ‘Eureka Street, Belfast’ von Robert McLiam Wilson. In einem vom IRA Bombenterror und Armut gezeichneten Belfast beschreibt Wilson die mit humorvollen Episoden gespickte Geschichte einer Clique von Mitzwanzigern, die sich mit Geselligkeit, Alkohol (aber nicht exzessiv, wie man es von Iren vielleicht erwarten würde) und Gelegenheitsjobs durchs Leben schlagen.
Die zentrale Figur ist Chuckie, der aus einer ‘promi’-süchtigen Familie stammt. Dieser Sucht entspringen auch die amüsantesten Stellen des Buches, wie z.B. der Besuch des Papstes in Belfast. Chuckie, einer der Protestanten der Clique – Wilson klärt den Leser auch auf, dass diese konfessionellen Unterschiede nur politisch von Bedeutung sind, nicht aber für das reale Zusammenleben der Belfaster – macht für den Papst eine “Ausnahme”, der ja bekanntlich katholisch ist, aber doch so berühmt, dass Chuckie ein Auge zudrückt und sich den Katholiken-Event gibt. Was sich aus dieser Ausnahme und dem daraus resultierenden ‘Chuckie gibt dem Papst die Hand’-Foto ergibt ist ausserordentlich witzig. Ein weiterer Höhepunkt ist der wirtschaftliche Erfolg, den Chuckie mit einem einzigen Riesendildo erzielt.

Trotz des Pulverfass-Szenarios ‘Belfast’ gelingt es dem Autor, dass man als Leser diese Stadt und ihre Bewohner ins Herz schließt. Das macht Wilson z.B. in der Bombenanschlag-Szene des Buches sehr einfühlsam und alles andere als effekthaschend.

Eine uneingeschränke Leseempfehlung für alle, die es auch mal gerne eine Portion deftiger mögen!