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1. Etappe: England und Wales

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (bei Amazon)

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“Der Fall Jane Eyre” ist ein literarischer Hochseilakt zwischen Thriller, Fantasy und Parodie und handelt in einem England der Zukunft, in dem Bücher eine ganz besondere Rolle spielen.
Dem Waliser Jasper Fforde gelingt es, ein Buch zu schreiben, in das der Leser genauso eintauchen kann, wie dessen Hauptfiguren in den Klassiker “Jane Eyre”. Es ist aber überhaupt nicht so, dass man in der englischen Literaturgeschichte beheimatet sein muss, um von der Geschichte amüsiert zu sein. Aber das Entführen der “kleinen” literarischen Figur Mr. Quaverley aus einem Charles Dickens-Roman durch DEN Bösewicht in Ffordes Roman ist einfach aberwitzig. Dies ist aber nur der krimininalistische Aperitif zum “Fall Jane Eyre”. Immer wieder bemerkt man auch Anlehnungen an das Film-Sujet “James Bond”. Nur ist es in Ffordes Roman eine weibliche Agentin/Protagonistin mit Namen Thursday Next von der Literaturpolizei SO-27. Es gibt gewissermaßen auch einen Mister Q in der Geschichte, es ist der Onkel von Next, der die Leserschaft mit seinen skurrilen Erfindungen zum Schmunzeln bringt.

Die literaturfanatischen Bewohner des anderen Englands im Roman gehen soweit, dass sie sich Künstlernamen aussuchen, natürlich von Literaten, es gibt neben tausenden Miltons und William Blakes auch viele Fans des Dichter Alfred Tennyson:

Nach einem Zwischenfall in einem Pub, bei dem sowohl der Angreifer, das Opfer, der Zeuge, der Wirt, der festnehmende Polizist als auch der Richter Alfred Tennyson hießen, war ein Gesetz verabschiedet worden, das sämtliche Namensvettern und -schwestern verpflichtete, sich eine Kennnummer hinters Ohr tätowieren zu lassen.

Solche und viele weitere ungewöhnliche Einfälle lassen die Lektüre zu einem Vergnügen werden. Und der Vergleich mit den Monty Pythons auf dem Klappentext (Klappentexte sind ja bekanntlich ganz schlimme Schwindler) ist korrekt, beim Lesen tritt einige Male das berühmte “Ministry of Silly Walk” vor Augen. Hinzu kommen auch einige kleine Exkursionen zu anderen Klassikern der englischen Literaturgeschichte.

Einen Haken hat aber das Erlebnis “Der Fall Jane Eyre”, es gibt noch weitere Bände in der Reihe Thursday Next. Die kann ich wohl erst in einigen Monaten lesen. Jetzt ist es aber Zeit für “Eureka Street, Belfast”.

Jasper Fforde “Der Fall Jane Eyre”
DTV 2007
384 Seiten