Katinka Buddenkotte: Ich hatte sie alle

Katinka Buddenkotte: Ich hatte sie alle (DTV, 2009)

Katinka Buddenkotte: Ich hatte sie alle (DTV, 2009)


Der neueste Band mit Erzählungen von Katinka Buddenkotte trägt den Titel „Ich hatte sie alle“ und lässt den geneigten Leser im ersten Moment darauf schließen, dass Frau Buddenkotte nicht unbedingt aus dem Nähkästchen, sondern vielmehr aus dem Nachttischchen plaudert. Doch dem ist nicht so. Vielmehr lässt uns die Autorin an ihrer breitgefächerten Lebenserfahrung teilhaben, welche sich nur am Rande aus diversen Liebhabern zusammensetzt. Denn wer vielseitig, flexibel und abenteuerlustig ist, der kann einiges mehr zum Besten geben als bloße Bettgeschichten, und den Leser auf dieser autobiographischen Tour de force auch bestens unterhalten. Lesegenuss frei nach dem Motto: „Zum Glück ist mir das nicht selbst passiert!“.

Man kann nur froh sein, wenn man selbst bereits sehr früh auf die Begleitung der Mutter beim Shoppen verzichten durfte, denn warum Frau Buddenkotte bekleidungstechnisch einen eher unfreiwillig ausgefallenen Stil pflegt lässt sich auf weniger Glück betreffend ihrer Shoppingbegleitung zurückführen. Dass eine überlebte Krebserkrankung ebenfalls irgendwann ihre Berechtigung als Entschuldigung für sämtliche zwischenmenschliche Inkompetenzen verliert, kann man hier ebenso nachlesen wie die Tatsache, dass nicht nur ein linker Fuß, sondern auch eine Plüschhandtasche durchaus an einer Psychotherapie teilnehmen möchten und dürfen. Und wirklich glücklich darf man sich schätzen, wenn man keine Großmutter hatte, von der man die Kosenamen „Hammerhai“ und „Rübennase“ bekam und die einen beim Besuch an ihrem Krankenbett mit dem nächstbesten Zivildiener verkuppeln möchte, denn „’nen besseren findest du hier nicht“. Außerdem wird auch das Krankheitsbild des „Bassisten“ (ausschließlich Liebesbeziehungen mit ebensolchen), wann es auftritt, wie man es erkennt und was man dagegen tun kann, genau aufgerollt und beschrieben, um etwaige Bildungslücken bei Groupies und allen, die es vielleicht noch werden möchten, zu schließen.

»Metzgerskinder sind oft Vegetarier, Zahnarztkinder leiden unter Mundfäule, und die Kinder der 68er wandern nach Bayern aus, um die CSU wählen zu können. Die nächste Generation wird sich immer auflehnen gegen die Ideale ihrer Eltern, und das zu Recht. Denn nur die Betroffenen können sich vorstellen, was es heißt, in einem Extremistenhaushalt aufgewachsen zu sein, in dem man jeden Morgen mit Mettbrötchen, Zahnpflegefaschismus oder dem Brummen der Getreidemühle geweckt wurde. Da muss man einfach ganz, ganz anders werden.«

Katinka Buddenkotte bringt einen zum Lachen, zeigt alltägliche Situationen in neuem und amüsanten Licht und eröffnet dem Leser neue Sichtweisen, vor allem, wenn es um die Beschreibungen ihrer verschiedenen Jobs geht. Ein Buch zu dem man immer wieder gerne greift, wenn man lachen möchte und einem das eigene Leben gerade zu humorlos ist. Das erleben wir ja alle immer wieder.

Rezension von Yvonne Brandt

Bei Amazon…

Hinterlasse eine Antwort