Die Geschichte vom fliehenden Boxer

Jan van Mersbergen: Morgen sind wir in Pamplona (Verlag Antje Kunstmann, 2009)

Jan van Mersbergen: Morgen sind wir in Pamplona (Verlag Antje Kunstmann, 2009)

Der junge niederländische Autor Jan van Mersbergen hat mit „Morgen sind wir in Pamplona“ eine Road Novel geschrieben. Zwei Männer treffen zufällig aufeinander und fahren zum Stierlauf nach Pamplona, dies aber aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Danny der Boxer ist auf der Flucht, der Leser weiß nicht wovor, Danny weiß nicht wohin. Der Zufall will es, dass er als Hitchhiker von Robert mitgenommen wird. Letzerer weiß sehr wohl, wohin er will und zwar, wie seit vielen Jahren, zum Stierlauf in Pamplona. Diese ‚rituelle‘ jährliche Reise, Robert sieht sie als ‚Turbowallfahrt‘, gestaltet sich dieses Mal durch seinen Mitfahrer etwas anders. Der mitteilsame Robert ist erfreut über den unerwarteten Ansprechpartner, doch Danny – wie es sich für einen Boxer gehört – bleibt über lange Strecken stumm, für ihn ist die Fahrt ein Film, das Autofenster ist der Fernseher und die vorbeifliegende Landschaft das Programm. Nur langsam wird Danny gesprächiger und ebenso langsam wird die Vorgeschichte der Flucht vor den Augen des Lesers aufgerollt.

Der erzählerische Höhepunkt des Romans ist die Beschreibung des Stierlaufs in Pamplona, festgehalten wie mit einer filmischen Schnitttechnik, Mersbergen mixt die Geschehnisse des Neo-Stierläufers Danny mit Szenen aus einem seiner Boxkämpfe und als Danny aus einer Art Trance wieder erwacht, ist etwas mit Robert geschehen.

„Morgen sind wir in Pamplona“ ist die Geschichte des Gefangenseins des Menschen in der jeweils eigenen Welt, sei es der Boxring von Danny oder die 40 Stundenwoche von Robert. Beide suchen einen Weg aus ihren Strukturen und Vorgeschichten auszubrechen, aber im Grunde sind sie hilflos wie die Hühner auf der Autobahn nach einem LKW-Unfall, die nicht fortlaufen können, weil sie die Gefangenschaft gewohnt sind.

Rezension von Tom Fliri

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