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Von der magischen Symbiose von Handlung & Orten

Wer kennt nicht die Faszination, durch die Lektüre eines Buches in fremde Länder getragen zu werden und neben dem gerade gelesenen Buch einen Atlas liegen zu haben. Und in diesem Atlas verfolgt der Zeigefinger die Hauptfigur eines Romans auf ihren Abenteuern. Jens Nommel, Geograph und Literaturbegeisterter hat aus seinen beiden Passionen eine Website geschaffen: handlungsreisen.de. Hier eine kurze Geschichte dieses Projekts aus der Feder von Jens Nommel.

Im Februar 2004 entstand die Idee, handlungsreisende_1Handlungsorte der Literatur auf einer Weltkarte einzuzeichnen. Daraus wurde der Atlas für Handlungsreisen.de – ein Kartenwerk der Literatur, gespeist von zahlreichen Leserinnen und Lesern. Mit seiner Hilfe lässt sich das Wechselspiel zwischen Orten und Literatur entdecken, denn wie sagte schon Emily Dickinson: „Kein Schiff trägt uns besser in ferne Länder als ein Buch.“ Viele der literarischen Orte sind den Lesern ein Begriff, und sie vergessen die Städte, Dörfer, Berge oder Seen ihr Leben lang nicht.

Am Anfang einer Literatur steht der Schriftsteller. Er kann sich gezielt die Kulissen suchen, die er zum Erzählen benötigt – ja, er hat die freie Wahl. Handlung & Orte gehen dabei oftmals eine magische Symbiose ein. Die literarischen Orts- und Landschaftsbeschreibungen verankern die Fiktion an reale Orte – sie werden charakterisiert. Und sie zeigen ein anderes Bild von der Welt als ein Schulatlas mit seinen beschränkten Möglichkeiten, subjektive Welten darzustellen. Der Weltatlas zeigt uns nicht die Orte des Vergnügens, der Sehnsucht oder der Trauer.

Und auch wir Leser haben die freie Wahl. Wir können uns in fremde Gebiete aufmachen. Oder Lektüre wählen, die in unseren Lieblingslandschaften handelt. Oder es wie Tom Fliri machen: zur literarischen Weltreise aufbrechen.

Als Ergänzung zur Abbildung literarischer Orte führe ich Interviews mit Autorinnen und Autoren zum Thema Literatur & Orte sowie Verlegern und anderen Akteuren aus der Bücherwelt. Durch die Gespräche werden die vielfältigen persönlichen Verbindungen zwischen den Literaten und ihren Orten als Kulisse für Fiktion beleuchtet. Denn, so sagte Cornelia Funke in einem Interview für handlungsreisen.de: „Für mich ist das fast so, als wenn der Ort meine Leinwand ist. Der Maler kann nicht ohne Leinwand malen und die Farben einfach in die Luft pinseln, und genauso brauche ich immer einen geographischen Ort, um dort meine Geschichte spielen zu lassen.“